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Theatertag in Jahrgang 9

Michael Müller setzt sich in seinem Stück auf eine einfühlsame und humorvolle Art und Weise mit einer schwierigen Thematik auseinander und kreiert eine außergewöhnliche und hoffnungsvolle Familien- und Freundschaftsgeschichte. Neben einer intensiven Vater-Sohn-Beziehung werden die Auswirkungen des Krieges in der Fremde auf eine Familie daheim beschrieben, in der nach einem Militäreinsatz im Ausland ein wichtiges Familienmitglied fehlt. Die Geschichte soll Mut machen, loszulassen und das Leben zu genießen.

Simon, der Protagonist des Stückes, schläft seit einiger Zeit nicht viel, denn fast jede Nacht setzt sich sein Vater auf seine Bettkante und erzählt ihm fast immer dieselbe Geschichte ohne Schluss. Simon muss deshalb zum Psychologen, der Fragen stellt, auf die Simon keine Antworten weiß. Dabei schwirren ihm selbst so viele Fragen durch den Kopf, die ihm niemand beantworten kann: Warum musste Papa sterben? Wann werde ich sterben? Warum gibt es überhaupt Krieg und warum haben die Papa einfach umgebracht? Warum kommt Papa nachts zu Besuch, obwohl er doch tot ist, gestorben im Militäreinsatz in Afghanistan?

Dass dieses Stück uns allen in Erinnerung bleiben wird, ist unbestritten. „Füße im Himmel“ ist ein kritisches Theaterstück, das den Schmerz des Krieges aus der Perspektive der Familie widerspiegelt. Krieg in Afghanistan, Tod, Verlust eines geliebten Menschen, Mutter-Sohn-Beziehung, Vater-Sohn-Beziehung, Mut machen, Freundschaft, Sinnfragen des Lebens und der Existenz – all das sind wichtige Schlagwörter, mit denen die Themen der Inszenierung umrissen werden können. Das Stück geht nah, verdammt nah. Die Schülerinnen und Schüler reagierten äußerst empathisch auf die Geschehnisse, die sich auf der Bühne abspielten. Sie ließen sich von den Schauspielerinnen und Schauspielern mitreißen und waren von den dargebotenen Gefühlen überwältigt. Eine Schülerin pointierte ihre Eindrücke beim Verlassen des Bürgerhauses wie folgt: „Während mir in dem einen Moment noch die Tränen in den Augen standen, konnte ich wenige Sekunden später lachen.“

Theaterbesuche im schulischen Kontext machen es notwendig, die Eindrücke und Fragen der Schülerinnen und Schüler in einem Nachgespräch im Unterricht zu klären. Dabei ist das Diktum des Literaturwissenschaftlers Emil Staiger richtungsweisend: Wir müssen „begreifen, was uns ergreift“. Die im Theaterstück aufgegriffene Thematik stellt die Notwendigkeit dar, die von den Schülerinnen und Schülern empfundene Ergriffenheit zu begreifen. Beeindruckend reflektierten die Jugendlichen die Ambivalenz dieser emotionsgeladenen Inszenierung und diskutierten dabei tiefgründig die oben genannten Themen des Theaterstücks. Dabei wurde neben der hervorragenden schauspielerischen Leistung des Ensembles auch das Bühnenbild gebührend gewürdigt.

Die Unentbehrlichkeit von regelmäßigen und gemeinsamen Theaterbesuchen im Schulalltag unterstreicht dieser überaus gelungene Theatertag in Jahrgang 9 in besonderer Weise.

Wir danken der Jungen Landesbühne Nord!

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