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Jahrgang 12 sieht „Effi Briest“

Die Landesbühne zu Gast in Schortens: Jahrgang 12 sieht „Effi Briest“

„Wenn es Liebe schon nicht sein kann, dann doch wenigstens Reichtum und Ehre“. Genau das sagen die Eltern der siebzehnjährigen, aufgeweckten Effi Briest, als diese auf Wunsch von ihnen den Antrag des zwanzig Jahren älteren Baron von Instetten annimmt. Dass dies nur in einer Katastrophe enden kann, verrät schon das Zitat.

Das Stück „Effi Briest“, nach der Protagonistin, inszeniert von der Landesbühne Nord aus Wilhelmshaven kam extra für die Schüler des zwölften Jahrgangs der IGS-Friesland Nord ins Bürgerhaus in Schortens. Diese trafen sich zusammen mit Lehrern, Eltern und ein paar theaterinteressierten Elftklässern am Abend des 18.01.2017, um die Aufführung des Stücks, basierend auf gleichnamigen Roman von Theodor Fontane aus dem Jahre 1896, zu sehen.

Gleich zu Anfang lernt man die naive, offene und lebensfreudige Effi Briest kennen, welche nichts Schlimmes befürchtend zustimmt, den ihr fremden und viel älteren Baron von Instetten zu heiraten, nachdem ihre Eltern, besonders ihre Mutter, die einst vor Jahren etwas mit dem Baron hatte, ihr dazu rieten. Schnell merkt sie jedoch, dass ihre Vorstellung von einer Beziehung nicht mit Instetten erfüllt werden kann. Nachts jagen ihr Albträume von einem alten chinesischen Geist, dargestellt durch eine in Kostüm gehüllte, maskierte Schauspielerin, einen gehörigen Schrecken ein. Als sie ihrem Ehemann davon erzählt, geht dieser nicht weiter darauf ein. Das kalte und abweisende Verhalten treibt die junge, sehnsüchtige Frau bald in die Arme des charmanten Major von Crampas. Wissend, dass dies falsch war, wirkt Effi erleichtert, als ihr Baron bald darauf mit der Neuigkeit nach Hause kommt, sie würden nach Berlin umziehen. Ihre Sorgen scheinen vergessen, doch nur so lange, bis sie auf Kur geschickt wird und ihr Mann alte Liebesbriefe vom Major findet. Glaubend, es sei gesellschaftlich erwartet, fordert der Baron den Major zum Duell heraus, tötet diesen und Effis Eltern brechen den Kontakt zu ihr ab. Allein und deprimiert bleibt Effi zurück, ihrer einzig wahren und nun toten Liebe nach trauernd. Sie vermisst ihre Tochter und bittet den Baron mehrmals, sie treffen zu dürfen, was ihr eines Tages auch gestattet wird. Doch als sie sieht, zu was für einer kalten und fremden Person diese durch die Erziehung des Barons geworden ist, bricht sie zusammen. Ihre Eltern nehmen sie wieder auf, um sich um sie zu kümmern, was der nun Neunundzwanzigjährigen jedoch nicht hilft, denn am Ende geht sie doch mit dem Geist des Chinesen mit und setzt die Maske der Toten auf.

Besonders diese Szene sticht heraus, da sie so etwas schön Abschließendes an sich hat. Tanja Weidner stellte den Geist des Chinesen, welcher öfter im Spiel auftauchte und Effi zu umwerben schien, als maskierte Person dar. Mit dem tödlichen Schuss von Baron von Instetten setzte auch Major von Crampas diese weiße Maske auf, ebenso der jungen, in die Verzweiflung getriebenen Effi.

Mit dem anpassungsfähigen Bühnenbild, bestehend aus zwei drehbaren Rechtecken, konnten leicht die verschiedenen Orte des Stückes dargestellt werden, und auch der durch Papierschnipsel dargestellte Schnee während der Schneesturm- und zugleich ersten Liebesszene zwischen Major und Effi bot dem Zuschauer ein tolles Bild.

Insgesamt war die Inszenierung Weidners sehr gut gelungen und brachte den Schülerinnen und Schülern die abiturrelevante Lektüre, wie die Landesbühne Nord selber wirbt, näher.

Von Isabel Esser, Jahrgang 12

 

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