Junge Landesbühne Nord präsentiert „Füße im Himmel“

Verfasst von Tim Lübben. Veröffentlicht in Darstellendes Spiel

Der Schmerz des Krieges aus der Perspektive der Familie

Junge Landesbühne Nord präsentiert „Füße im Himmel“ – Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs zeigen sich beeindruckt

Es ist uns ein besonderes Anliegen, unsere Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme am kulturellen Leben anzuregen. Aus diesem Grund verstehen wir regelmäßige und gemeinsame Theaterbesuche als einen wichtigen Bestandteil unseres Bildungsauftrages und haben uns deshalb auf den Weg gemacht, mit der benachbarten Landesbühne Nord eine ganze besondere Verbindung einzugehen. Durch den im April dieses Jahres geschlossenen Kooperationsvertrag vertiefen wir die Zusammenarbeit mit der Landesbühne Nord. Ziel dieser Kooperation ist es, unseren Schülerinnen und Schülern das Medium Theater näher zu bringen. Dabei sollen die Jugendlichen das Theater als Kulturbetrieb und Medium des Diskurses kennenlernen. Durch die Begegnung mit der professionellen Theaterkunst wird nicht nur die eigene künstlerische Aktivität der Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Auseinandersetzung mit zentralen Themen unserer Gesellschaft gefördert. Mit dem Kooperationsvertrag hat unsere Schule festgelegt, dass zukünftig jeder Jahrgang mindestens einmal pro Schuljahr eine Theateraufführung besuchen soll. Dieser „Pflicht“ – die wir jedoch keinesfalls als solche empfinden! – kam der neunte Jahrgang am 20. September 2016 nach und wählte das Theaterstück „Füße im Himmel“ aus, das die Junge Landesbühne Nord im Bürgerhaus in Schortens aufführte.

 

Michael Müller setzt sich in seinem Stück auf eine einfühlsame und humorvolle Art und Weise mit einer schwierigen Thematik auseinander und kreiert eine außergewöhnliche und hoffnungsvolle Familien- und Freundschaftsgeschichte. Neben einer intensiven Vater-Sohn-Beziehung werden die Auswirkungen des Krieges in der Fremde auf eine Familie daheim beschrieben, in der nach einem Militäreinsatz im Ausland ein wichtiges Familienmitglied fehlt. Die Geschichte soll Mut machen, loszulassen und das Leben zu genießen.

Simon, der Protagonist des Stückes, schläft seit einiger Zeit nicht viel, denn fast jede Nacht setzt sich sein Vater auf seine Bettkante und erzählt ihm fast immer dieselbe Geschichte ohne Schluss. Simon muss deshalb zum Psychologen, der Fragen stellt, auf die Simon keine Antworten weiß. Dabei schwirren ihm selbst so viele Fragen durch den Kopf, die ihm niemand beantworten kann: Warum musste Papa sterben? Wann werde ich sterben? Warum gibt es überhaupt Krieg und warum haben die Papa einfach umgebracht? Warum kommt Papa nachts zu Besuch, obwohl er doch tot ist, gestorben im Militäreinsatz in Afghanistan?

Dass dieses Stück uns allen in Erinnerung bleiben wird, ist unbestritten. „Füße im Himmel“ ist ein kritisches Theaterstück, das den Schmerz des Krieges aus der Perspektive der Familie widerspiegelt. Krieg in Afghanistan, Tod, Verlust eines geliebten Menschen, Mutter-Sohn-Beziehung, Vater-Sohn-Beziehung, Mut machen, Freundschaft, Sinnfragen des Lebens und der Existenz – all das sind wichtige Schlagwörter, mit denen die Themen der Inszenierung umrissen werden können. Das Stück geht nah, verdammt nah. Die Schülerinnen und Schüler reagierten äußerst empathisch auf die Geschehnisse, die sich auf der Bühne abspielten. Sie ließen sich von den Schauspielerinnen und Schauspielern mitreißen und waren von den dargebotenen Gefühlen überwältigt. Eine Schülerin pointierte ihre Eindrücke beim Verlassen des Bürgerhauses wie folgt: „Während mir in dem einen Moment noch die Tränen in den Augen standen, konnte ich wenige Sekunden später lachen.“

Theaterbesuche im schulischen Kontext machen es notwendig, die Eindrücke und Fragen der Schülerinnen und Schüler in einem Nachgespräch im Unterricht zu klären. Dabei ist das Diktum des Literaturwissenschaftlers Emil Staiger richtungsweisend: Wir müssen „begreifen, was uns ergreift“. Die im Theaterstück aufgegriffene Thematik stellt die Notwendigkeit dar, die von den Schülerinnen und Schülern empfundene Ergriffenheit zu begreifen. Beeindruckend reflektierten die Jugendlichen die Ambivalenz dieser emotionsgeladenen Inszenierung und diskutierten dabei tiefgründig die oben genannten Themen des Theaterstücks. Dabei wurde neben der hervorragenden schauspielerischen Leistung des Ensembles auch das Bühnenbild gebührend gewürdigt.

Die Unentbehrlichkeit von regelmäßigen und gemeinsamen Theaterbesuchen im Schulalltag unterstreicht dieser überaus gelungene Theatertag in Jahrgang 9 in besonderer Weise.

 

Wir danken der Jungen Landesbühne Nord!

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